Spazz des Monats
(Spazz das magazin für ulm & neu-ulm)

Der Maler mit dem Maßanzug
Gabriel Ozon stieg ohne großes Aufsehen zu einem der erfolgreichsten Ulmer Künstler auf

Bei Ausstellungseröffnungen, Kulturnächten
und anderen offiziellen Anlässen des Ulmer Kulturbetriebs ist er nie mit von der Partie. Und dennoch gehört Gabriel Ozon zu den meistbeschäftigten und erfolgreichsten Künstlern der Donaustadt.
Abseits der Szene hat sich der Maler von seiner Galerie im Blautalcenter aus europaweit einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Mit welchem Attribut man ihm auch immer beikommen möchte, Gabriel Ozon erfüllt kein einziges Künstler - Klischee. Er kleidet sich wie ein Börsenmakler, malt im Maßanzug mit der
Akribie eines Chirurgen und spricht im milden Ton eines alten Priesters. Hier, inmitten eines Einkaufszentrums, zwischen Drogerie und Klamottengeschäft, hat sich der 35-jährige Wahl-Ulmer ein imposantes Schaufenster und eine Werkstatt im selben Raum eingerichtet. Seine monumental anmutende, teils fotorealistische Malerei ist geprägt von den
religiösen Motiven der alten Meister, in
deren Tradition sich der gebürtige Rumäne
selbst auch einordnet. »Es fällt mir schwer, nachzuvollziehen, weshalb kaum noch jemand in dieser Technik arbeitet«, beteuert Ozon, und zeigt auf sein riesenhaftes, episches Werk »Die zweite Wehe«, aus dem biblischen Zyklus nach der Johannes- Apokalypse.
Das handwerkliche Niveau, auf dem der freischaffende Künstler im enormen Tempo arbeitet, sucht nicht nur in Ulm seinesgleichen. Von der Kalligraphie über zarte Tusche-Zeichnungen hin zum riesenhaften Wandfresko im Kino-Komplex gibt es kaum eine stilistische Herausforderung, die Ozon nicht mit eachtlicher
Sicherheit meistert. Das hat ihm schnell den Ruf eines Alleskönners eingebracht. Inzwischen wird er von internationalen Architekturbüros für die Wandgestaltung in aller Welt gebucht. »Es gibt für mich keine Grenzen. Ich arbeite dort, wo
ich gebraucht werde und mein Können verlangt wird«, sagt der Auftragsmaler.
Nach dem Kunststudium in Nürtingen machte er sich 1998 in Ulm als freischaffender Künstler selbstständig. Symbolbeladene Gemälde verkaufen sich heute noch wie warme Brötchen, und die reproduziert er problemlos Eins zu Eins. Farbe gibt es bei Ozon übrigens prinzipiell nur auf der Leinwand, denn Flecken auf dem Boden oder an den Händen erträgt er
nicht. Text und Foto: Christian Oita

Interview

SpaZz: Herr Ozon, was ist das Geheimnis Ihres kommerziellen Erfolgs, der vielen Kollegen verwehrt bleibt?

Die Tätigkeit als Künstler ist zu Beginn immer schwierig und beschwerlich. Ich versuche
mit einer zielorientierten und sauberen Arbeit
meine Auftraggeber zu überzeugen.
Nur so kann man damit rechnen, weiterempfohlen zu werden. Am Anfang
musste natürlich auch ich sehr viele Ausstellungen im In- und Ausland absolvieren,
um auf mich aufmerksam zu machen.

Ein wiederkehrendes Motiv in Ihren Werken ist Ihr eigenes Konterfei. Woher rührt das Interesse am eigenen Ebenbild?

Naja, ich habe schon als Schüler in der fünften Klasse das Zeichnen von Portraits im Spiegel geübt. Inzwischen ist das gemalte oder
gezeichnete Selbstportrait irgendwie zu einem meiner Markenzeichen geworden.

Würden Sie sich als Workaholic bezeichnen?

Nein, aber ich arbeite schon mal bis zu 17 Stunden am Tag. Ob ich mich dabei im Atelier oder direkt an einem Projekt auf der Baustelle befinde, ist letztendlich egal, da immer das gesamte Werk zu betrachten ist, und an dieser Arbeit werde ich nun mal gemessen.